Theologische Hochschule Priesterseminar

Die B-Module dienen der vertieften theologischen Auseinandersetzung mit Themenbereichen, die für die Seelsorge relevant sind. Diese in sich abgeschlossenen Module werden von der theologischen Hochschule Chur und der Universität Bern angeboten. Folgendes B-Modul sind seitens der THC geplant:

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„Hierhin, Atem, steck mich an“ (Huub Oosterhuis).
Zur Sehnsucht nach Gotteserfahrungen

Zeitraum: 5.-8. Februar 2018 (eine Teilnahme nur vom 5.-6. Februar ist möglich)
Ort: Theologische Hochschule Chur

Lebensnah und erfahrungsgesättigt: Eine solche Religiosität spricht Menschen von heute an. Gerade an existentiellen Schwellen wünschen sie sich, das Mitsein Gottes zu spüren. Zwar mag diffus sein, was verschiedene Formen von Religiosität dabei anstreben – doch die Sehnsucht bleibt, einer Dimension jenseits der „abgeschlossenen Weltstrukturen“ (Charles Taylor) zu begegnen. In sie mischt sich allerdings Skepsis, nicht nur gegenüber Dritten, sondern auch gegenüber eigenen Erfahrungen: Kann ich ihnen trauen, oder sitze ich Illusionen, unkontrollierten Emotionen auf? Ist das Erfahrene REALITÄT?

Diese Spannung von Sehnsucht und Misstrauen prägt auch die christliche Spiritualitätsgeschichte. Ist wirklich alles Gotteserfahrung, was als solche empfunden oder von anderen behauptet wurde? Lässt sich Gott überhaupt erfahren? Gibt es Kriterien für die Echtheit von solchen Erfahrungen? Und was, wenn nur Leere erfahren wird, z. B. in Situationen grosser Not, oder auch in der Gewöhnlichkeit alltäglichen Lebens? Lassen sich bewährte Wege abstecken, in denen es sinnvoll ist, Erfahrungen des Göttlichen zu suchen?

«Hierhin, Atem, steck mich an»: Das Mitsein Gottes in der Welt formuliert die christliche Tradition als Wirken der Geistkraft Gottes. Sie bittet darum, von ihr spürbar ergriffen zu werden. Das B-Modul wird den Spuren des Heiligen Geistes in der Welt von heute nachgehen. Es nähert sich der Frage nach den Erfahrungsorten aus biblischer, systematisch-theologischer, liturgiewissenschaftlicher und spiritualitätsgeschichtlicher Perspektive.

Es besteht die Möglichkeit zu Kost und Logis an der Theologischen Hochschule Chur. Auskunft dazu unter pastoralinstitut@thchur.ch oder 081 254 99 94.

Referentinnen:
Prof. Dr. Eva-Maria Faber, Dogmatik und Fundamentaltheologie
Prof. Dr. Birgit Jeggle-Merz, Liturgiewissenschaft
PD Dr. Hildegard Scherer, Neutestamentliche Wissenschaften

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Gaben und Aufgaben am Lebensende
06.-07. Februar 2017

Geht es um die Bedeutung des Lebensendes – zumal in Alter, Krankheit, Pflege und Sterben – dreht sich die Diskussion oftmals um strittige ethische Grenzfragen: Sterbehilfe, Altersfreitod, organisierte Suizidhilfe etc. Seit einiger Zeit kommen aber auch die Gestaltungspotentiale stärker in den Blick: Welche Gaben beinhaltet gerade das zur Neige gehende Leben? Welche Aufgaben verbinden sich damit, welche Verantwortungen müssen wahrgenommen werden? Was davon ist persönlich und sozial zu bewältigen (z.B. als Kunst des Lebens, Alterns und Sterbens), was obliegt der Politik und gesellschaftlichen Strukturen (wie Palliative Care, Institutionen, Sozial- und Gesundheitspolitik)?

Das Modul dient der Weitung des Blickes auf unterschiedliche Dimensionen humaner Gestaltung in diesem Bereich. Es können aber auch exemplarisch besagte ethische Grenzfragen fokussiert werden. Nicht zuletzt kommen jene Potentiale zur Sprache, die sich aus dem biblisch-christlichen Glauben wie durch religiös, kirchlich bzw. gemeindlich getragene Erfahrungen, Interaktionen und Orte ergeben. Dem Austausch einschlägiger Erfahrungen der Teilnehmenden wird genauso Raum gegeben wie der fachlichen Reflexion dieser Thematik. Der dabei erhoffte Zugewinn an Einsicht und Kompetenz betrifft eine Frage, die Menschen grenzüberschreitend und aktuell herausfordert und zugleich verbindet.

Referenten:
Prof. Dr. Manfred Belok, Pastoraltheologe an der THC
Prof. Dr. Hanspeter Schmitt, Theologischer Ethiker an der THC

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Zeiterfahrungen heute (leider musste dieses Modul abgesagt werden)
08.-11. Februar 2016

Der Soziologe Hartmut Rosa diagnostiziert in seinen Studien über Zeitstrukturen das „Ende einer Zeiterfahrung, in der die historische Entwicklung ebenso wie die lebensgeschichtliche Entfaltung als gerichtet und kontrollierbar … erschien“.
Von neuem stellt sich die alte Frage, was eigentlich Zeit ist. Eng damit verbun-den ist die Frage nach dem Sinn von Zeit und Geschichte – im Grossen der Weltgeschichte wie im Kleinen der Lebensgeschichten.
Da Zeiterfahrungen zu den grundlegenden Orientierungen menschlichen Lebens gehören, bleiben seelsorgliche Handlungsfelder davon nicht unberührt. Wie las-sen sich heute biblische und liturgische Auffassungen von Zeit und Geschichte verstehen und in eigene Lebenskonzepte integrieren? Wie erleben Menschen ihr Leben, ihr Lebensalter, und welche Art von Begleitung kann ihnen hilfreich sein?
Referenten:
Prof. Dr. Manfred Belok, Pastoraltheologe an der THC
Prof. Dr. Eva-Maria Faber, Dogmatikerin an der THC
Prof. Dr. Birgit Jeggle-Merz, Liturgiewissenschaftlerin an der THC und an der Universität Luzern
PD Dr. Hildegard Scherer, Neutestamentlerin an der THC

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Wie heute von Gott sprechen?
02.-05. Februar 2015

„Gebraucht jemand im Schreiben ganz selbstverständlich das Wort „Gott“, so fällt mir das Weiterlesen schwer“, so bemerkt Peter Handke in seiner „Geschichte des Bleistifts“. Die kirchlich Professionellen sind es gewohnt, von Gott zu sprechen, doch gerade das kann zu einer problematischen Selbstverständlichkeit führen.

Das Christentum kennt eine lange Tradition nicht nur der Rede von Gott, sondern auch des Nachdenkens über die Art der dafür geeigneten Sprache, über Reichtum und Schwächen von Gottesbildern und über die Erfahrung, dass die Worte im letzten zerbrechen. Bei genauem Hinsehen hält die Theologie in Geschichte und Gegenwart vielfältige Vorbilder ebenso wie hilfreiche Kriterien der kontextuellen und lebensweltorientierten Gottesrede bereit.

Das Modul soll es ermöglichen, die theologische Reflexion der Gottesrede für aktuelle Orte der Verkündigung fruchtbar zu machen. Dabei wird der Horizont zeitgenössischer Kultur und Religiosität ebenso zu berücksichtigen sein wie die Sprache von Gebet und Gottesdienst in einer Zeit, in der traditionelle Gottesbilder fragwürdig geworden sind. In diesem Rahmen kann das Sensorium für Orte der Gottesrede ebenso wie eine Kunst der scheuen Sprache wachsen.

Referenten:
Prof. Dr. Manfred Belok; Prof. Dr. Eva-Maria Faber; Prof. Dr. Birgit Jeggle-Merz

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Von Hoffnungen und Hoffnungszielen
Inspirationen der Theologie für die Seelsorge

03.-06. Februar 2014

Wenn Menschen mit dem Tod konfrontiert werden, geraten sie nicht selten in eine Konfusion der Gefühle und in ein Gewirr von Fragen. Was kommt nach dem Tod? Welches sind meine Hoffnungen, wie weit tragen sie? Manche haben teil an der christlichen Hoffnung, die in existentieller Anfechtung gleichwohl hart herausgefordert wird. Andere haben sich schon lange keine Gedanken mehr darüber gemacht oder spüren, dass ihnen jegliche Hoffnung über den Tod hinaus verloren gegangen ist. In wieder anderen erwachen archaische Ängste, zuweilen verbunden mit grauenvollen Bildern, welche die christliche Tradition vom Jüngsten Gericht, vom „Fegfeuer“ und von der Hölle ausmalte.

Wie kann die Pastoral heute die christliche Hoffnung auf überzeugende Weise wachhalten und Menschen in Konfrontation mit dem Tod begleiten?

Das B-Modul wird den Todes- und Jenseitsvorstellungen in der christlichen Tradition und den in der Pastoral begegnenden Jenseitsvorstellungen der Menschen von heute nachgehen. Es wird um neuere Entwicklungen in der Eschatologie und Hoffnungsaussagen der Liturgie in Riten und Texten gehen. Die Seelsorgenden sollen so für ihre Aufgabe in der Pastoral gestärkt werden, von dem Gott zu zeugen, der die Krisen zu Chancen neuer Hoffnung wandelt.

Referenten:
Prof. Dr. Manfred Belok, Pastoraltheologie
Prof. Dr. Eva-Maria Faber, Dogmatik und Fundamentaltheologie
Prof. Dr. Birgit Jeggle-Merz, Liturgiewissenschaft

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Seelsorge als Lebenshilfe durch Glaubenshilfe
28.-31. Januar 2013

Die seelsorgliche Begleitung von Menschen, insbesondere in Lebens- und Glaubenskrisen, setzt bei Seelsorgerinnen und Seelsorgern u.a. die Fähigkeit voraus, sich auf die je individuelle Situation des Gegenübers menschlich und geistlich einlassen zu können. Die Seelsorgenden wissen sich in ihrem Tun dabei sowohl dem Bedürfnis der Menschen als auch dem Auftrag des Evangeliums verpflichtet und möchten durch ihre Präsenz bezeugen, dass Gott den Menschen auch und gerade in ihren Lebenskrisen Krankheit, Leiden, Sterben und Tod nahe ist und sich ihnen zuwendet. Dies möchten sie durch Krankenbesuch, Gespräch, Gebet, Kommunionfeiern und Gottesdienste zum Ausdruck bringen.
Das Modul will (1) fragen: „Was glauben die Menschen in der Schweiz?“ und hierfür die Ergebnisse der im Frühjahr 2011 vorgestellten Studie des Nationalen Forschungsprogramms (NFP 58) analysieren, (2) bei den religiösen Erfahrungen der Menschen in den verschiedenen Handlungsfeldern der Seelsorgenden und bei den eigenen Erfahrungen ansetzen: „Wie verarbeitet man/frau aus dem Glauben existentielle Einbrüche?“ und (3) Sakramente als „Zeichen der Nähe Gottes“, als Hilfe des Glaubens zum Leben und zum Sterben als Teil des Lebens erschliessen.

Termin: 28.-31. Januar 2013 (Teil I und Teil II)
Ort: Theologische Hochschule Chur

Prof. Dr. Manfred Belok, Pastoraltheologe an der THC
Prof. Dr. Eva-Maria Faber, Dogmatikerin und Rektorin der THC
Prof. Dr. Birgit Jeggle-Merz, Liturgiewissenschaftlerin an der THC und an der Universität Luzern