Theologische Hochschule Priesterseminar

Weiterbildungs-Studiengang
„Clinical Pastoral Training“ (CPT)

1. Was ist CPT? – Eine Seelsorgeausbildung für Gemeinde und Spital
Von ihrer Entstehung her zunächst eine Ausbildung für die Seelsorge mit psychisch kranken Menschen. Darüber hinaus eine Aus- und Weiterbildung für die Begleitung von allen Menschen in schwierigen Lebenssituationen.
Die CPT-Ausbildung nennt sich in der Deutschschweiz Seelsorgeausbildung für Gemeinde und Spital. Diese Formulierung wurde gewählt, weil das Wort „clinical“ die Annahme weckt, es handle sich um eine spezifische Ausbildung nur für Spital- und Klinikseelsorge. „Clinical“ meint jedoch eine Ausbildung, die nicht von theoretischen Konzepten ausgeht, sondern von der praktischen Erfahrung. Daher sprach man anfangs von „klinischen Semestern für Theologen“ in Anlehnung an die klinischen Semester der Ärzte und den klinischen Unterricht der Pflegefachpersonen. Die CPT-Kurs-Teilnehmer/innen werden in ihrer persönlichen, fachlichen, sozialen und religiösen Kompetenz unterstützt, begleitet und gefördert, um die eigene Berufspraxis, vorwiegend im Bereich der Seelsorge, bewusster wahrnehmen, mitgestalten und verantworten zu können.

2. Grundlage, Ziele und Inhalte der CPT-Ausbildung
Grundlage sind die drei Grundhaltungen, wie sie Carl R. Rogers, der Begründer der Gesprächspsychotherapie, formuliert hat: einfühlende Anteilnahme, nicht wertendes Akzeptieren und Selbstkongruenz. Ziel ist, diese drei Grundhaltungen in der Ausbildung einzuüben und zu verinnerlichen:

• Die einfühlende Anteilnahme, d.h. aktives Zuhören auf der intellektuellen, der emotionalen und der spirituellen Ebene ist gegenüber von psychisch kranken Menschen besonders wichtig, da sie für Menschen, die solche Erfahrungen nicht gemacht haben, meist schwer zu verstehen sind. Gerade deshalb sind sie jedoch darauf angewiesen, dass die Seelsorgerin/der Seelsorger sich bemüht, wenigstens etwas von ihrem Erleben zu verstehen.
• Ebenso wichtig ist das nicht wertende Akzeptieren eines anderen Menschen und seiner/ihrer Erfahrungen: Entscheidend ist, diesen Menschen in dem, was er/sie mitteilt, mag es noch so grotesk, übersteigert oder gar abstrus erscheinen, zunächst weder zu bestätigen noch ihm/ihr zu widersprechen, sondern das Mitgeteilte schlicht als seine/ihre Erfahrung anzunehmen. So, wenn etwa ein Mensch fest überzeugt ist, ein Sünde begangen zu haben, die nicht vergeben werden kann und daher von Gott verworfen zu sein.
• Selbstkongruenz meint, dass die Seelsorgerin/der Seelsorger gut mit sich selbst, mit den eigenen Gefühlen und dem eigenen Körper in Kontakt ist. Psychische Krankheiten lösen bei den Seelsor-genden Gefühle von Angst, Verunsicherung, Ohnmacht aus. Sind sie sich dieser Gefühle nicht bewusst, so kommt keine heilsame Kommunikation zu Stande. Entscheidend ist auch das Gleichgewicht von Nähe und Distanz. Gerade psychisch kranke Menschen haben oft die Fähigkeit, Helferinnen oder Helfer zu vereinnahmen, so dass diese die gesunde Distanz verlieren. Eine echt heilende Begleitung ist so gefährdet.

Im CPT-Kurs sollen die Teilnehmer/innen
• lernen, sich selbst (ihre Rolle, Aufgabe, Identität und ihren Glauben), 
ihre Gesprächspartnerinnen und -partner (deren Situation, Probleme und Befindlichkeit) wahrzunehmen und zu reflektieren und u.a. auch im Kontext der Beziehungen (z.B. in der Struktur des Arbeitsteams, der Kirchenbehörden oder eines Spitals) zu gestalten;
• die eigenen Fähigkeiten zur Gesprächsführung und Intervention erkennen und entwickeln und
• sich selbst in eine seelsorgerliche Haltung einüben und im eigenen christlichen Glauben gestärkt werden.

3. Woher kommt CPT?
Initiiert wurde CPT 1925 durch Anton Theophilus Boisen (1876-1965) in Chicago/USA. Er hatte in der Zeit seiner schweren psychischen Erkrankung die Unzulänglichkeit kirchlicher Seelsorge erlebt. Nach seiner Genesung wurde er der erste Seelsorger in einer psychiatrischen Klinik in den USA und lud 1925 eine Gruppe Theologiestudenten während der Sommermonate in die Klinik ein, damit sie von den psychisch Kranken Wesentliches über ihre eigene Spiritualität und über ihre zukünftige Aufgabe als Seelsorger lernten. Daraus entstand die Klinische Seelsorgeausbildung. Die von Anton T. Boisen angestossene Ausbildung, die Clinical Pastoral Education, ist heute weltweit verbreitet, im deutschen Sprachraum unter der Bezeichnung KSA = Klinische Seelsorgeausbildung. Seit 1972 wird sie – unter der Bezeichnung CPT = Clinical Pastoral Training – auch in der Schweiz angeboten.